Kunstrichtungen wie der Impressionismus, Expressionismus, Kubismus und andere, waren sowohl unter der faschistischen, als auch der kommunistischen Diktatur verboten.
Wer sich nicht an den vorgegebenen Formkanon der Diktatur hielt, wurde verfolgt und ausgegrenzt.
Viele verfolgte Künstler mussten deshalb unter Zwang den Beruf wechseln oder aber das Land verlassen.
Der zweite Weltkrieg veränderte Europa – das Leben im Privatem und im Politischem – aller Europäer.
Genau dieses hatte aber auch entscheidende Konsequenzen für die Künstler ,welche aus dem Krieg oder der Emigration zurückgekehrt waren.
Die Menschen wollten von ihrer Vergangenheit Abstand nehmen und die klassische Malerei, vor dem Krieg gefragter Kunstrichtungen, wurden für veraltet erklärt.
Was vor kurzem noch hoch geschätzt war, galt jetzt als überholt und indem sich die Welt veränderte, veränderte sich auch das ästhetische Empfinden und damit auch der künstlerische Ausdruck.
Spätestens ab den 60er Jahren wurde die gegenständliche Malerei von der abstrakten Malerei, der Fotografie und anderen neuen Kunstrichtungen endgültig verdrängt.
Infolge dieser Entwicklungen verlor eine ganze Künstlergeneration sowohl ihre Existenzgrundlage, als auch ihre Anerkennung und geriet in Vergessenheit.
Heute entdecken wir jene vergessene Qualität des künstlerischen Ausdrucks wieder.






Siegfried Herforth
wurde am 14. Mai 1904 in Baden-Baden, als Sohn von Margarete und Ludwig Arthur Herforth geboren.
Früh zeigte sich seine Begabung für das Zeichnen und Malen sowie sein ebenso großes musikalisches Talent.
Dem Klavierspiel blieb er zeitlebens leidenschaftlich verbunden.
Mit 17 Jahren verließ Siegfried das Gymnasium in Baden-Baden und nahm ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe auf, wo er bis 1922 unter Professor August Groh und Professor Friedrich Fehr studierte. Anschließend wurde er an der Akademie der bildenden Künste in Dresden aufgenommen – zu dieser Zeit eine der bedeutendsten europäischen Kunsthochschulen . Aufgenommen und unterstützt hatten ihn Professor Robert Sterl, ein wesentlicher Vertreter des europäischen Impressionismus. Zusätzlich studierte Siegfried Herforth bei Professor Oskar Kokoschka.
1925 schloss er sein Studium an der Dresdner Akademie der bildenden Künste, mit der höchsten Auszeichnung, dem „Ehrenpreis der Akademie“, ab.
Parallel dazu besuchte er auch das Konservatorium um Konzertpianist zu werden, entschied sich jedoch für die Malerei, die er ab 1927 auf zahlreichen Ausstellungen präsentierte.
Wie seine Lehrer Sterl und Kokoschka konzentrierte er sich auf die Porträtmalerei.
1939 erhielt er den Auftrag die Deckengemälde für die Jakobskirche im schweizerischen Widnau zu gestalten. Dafür erlernte er die anspruchsvolle Freskotechnik, bei der auf frischem Putz gemalt wird ohne, dass eine Korrektur möglich wäre. Weitere kirchliche Aufträge folgten.
Sein großer Traum, die wieder aufgebaute Abteikirche von Montecassino nach deren kompletter Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ausmalen zu dürfen, blieb unerfüllt. Dennoch existiert eine Vielzahl von Skizzen und Entwürfen. Sie dokumentieren präzise seine geplante Deckengestaltung.
Seit 1934 lebte Siegfried Herforth in München.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden der Impressionismus, Expressionismus, Kubismus und andere Kunstrichtungen, als „ENTARTETE KUNST“ diffamiert und verboten.
Die Künstler wurden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und verfolgt. Somit stand auch Siegfried Herforth vor der Wahl, seine künstlerische Tätigkeit aufzugeben oder ins Exil zu gehen.
Er entschied sich für das Exil in Italien, wo er zwei Jahre lang lebte und arbeitete. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Skizzen, Gemälde und Aquarelle, außerdem erlernte er die italienische Sprache fließend. 1941 zwang ihn eine schwere Krankheit seines Vaters zur Rückkehr nach München. Nach dessenTod wurde Siegfried Herforth eingezogen, aber aufgrund seiner ausgezeichneten Sprachkenntnisse gleich nach Italien versetzt. Nach der Schlacht um Montecassino begab er sich in britische Kriegsgefangenschaft.
Das freundschaftliche Verhältnis zu seinen Bewachern ermöglichte ihm auch dort malen und zeichnen zu dürfen. Bereits 1947 gestaltete er ein weiteres Deckengemälde für die Kirche in Gundelfingen im Breisgau.
In den 1950er und 1960er Jahren arbeitete er immer wieder in der Schweiz, wo er neben Ölporträts auch Bronzeskulpturen und viele andere Arbeiten schuf.
1962 erhielt er vom Vatikan den Auftrag, drei großformatigen Gemälde für den Petersdom in Rom, anlässlich der Seligsprechung ugandischer Märtyrer, anzufertigen.
Ein besonders wichtiger Bestandteil seines künstlerischen Schaffens war die Grafik. Ungezählte Skizzen aber auch freie Zeichnungen und Entwürfe haben sich bis heute erhalten.
Ein monumentales Betonrelief aus dem Jahr 1964 zeugt in Zürich von seinem auch anderem Wirken.
Siegfried Herforth starb 1984 in München
(c) Johanna Victoria Karenová