Die Schönheit des Augenblicks

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Die Schönheit des Augenblicks

Blumen zwischen Ästhetik und Abstraktion

Sonderausstellung 2022 im Stift Geras

Die Fotos in der Ausstellung sind entstanden im Kurs

„Malerische Blumen – Abstraktionen nach Georgia O’Keeffe“

akademie.geras; 12. – 15. August 2021

Leitung: Hermann Netz

(c) Johann Fenz

Teilnehmer:

Gernot Blieberger

Johann Fenz

Ewald Kutzenberger

Klaus Lemmen

Erwin Martin

Elisabeth Mißmann

Michaela Roth-Gion

Emmerich Schraml

Marie Stressler

Rudi Stressler

Gedanken zur Zen-Fotografie

Zu Beginn meiner kleinen Einführung in die Zen-Fotografie – ein tragendes Element meiner Workshops – gilt mein Dank Jonny und Gernot. Ihrer Initiative und Bereitschaft, die Ausstellung und den Katalog mit unserer aller Bilder aus dem Workshop „Zen Fotografie / Meditieren – Sehen – Gestalten | Malerische Fotografie – Abstraktionen nach Georgia O’Keeffe“  – auf den Weg zu bringen, gebührt höchstes Lob. Als Grafiker (im Ruhestand) und langjähriger Organisator der Ruhpoldinger Fototage weiß ich einzuschätzen, wie viel Mühe und Arbeit in jedem Arbeitsschritt stecken.

Die Kunstakademie Geras ist seit 2009 für mich ein liebgewonnener Ort. In ihren Räumen fühle ich mich mit meinen Workshops mit den unterschiedlichsten fotografischen Themen gut aufgehoben. Die ruhige Lage und das angenehme Ambiente des Hotels runden das Bild positiv ab. Viele meiner Teilnehmer treffe ich so oft jedes Jahr im August wieder, was den Workshops einen besonderen Tatsch verleiht.

Kommen wir zum Zen-Gedanken: Meine Workshops tragen alle den Überbegriff „Zen-Art – Fotografie“. Warum möchte ich Ihnen in Folge kurz erklären. Zen ist (m)eine Lebenseinstellung, die sich mit Minimalismus, Achtsamkeit und Heiterkeit auseinandersetzt. In der Fotografie bedeutet dies meditatives Arbeiten. Der Zen Fotograf arbeitet manuell an seiner Kamera. Eile ist ein Fremdwort für ihn. Seine ganze Konzentration beschränkt sich auf das Wesentliche. Dies widerspricht natürlich unserer modernen Konsumgesellschaft.

Hier gilt ja die Maxime „Schneller – lauter – mehr“ und das möglichst jede freie Minute. Nur für uns selbst haben wir keine Zeit. Es ist also ein Umdenken angesagt. Steigen wir ein in eine etwas andere Gefühlswelt, die uns Älteren noch vertraut sein sollte. Erinnern wir uns an unsere frühen Spiele in der Natur. Es gab kein spezielles Programm und Vaters Geldbeutel blieb zu. Wir durften einfach Kind sein. Unsere Fantasie beim Spielen war gefragt. In diese Welt kehren wir nun zurück mit allen Sinnen.

Zen ruht für mich auf 3 Säulen:

  1. Meditation – Konzentration auf den Atem
  2. Achtsamkeit – Unsere volle Aufmerksamkeit gilt dem Motiv
  3. Heiterkeit – Wir werden wieder Kind und denken nicht soviel – wir tun.

Da Zen nicht beschrieben werden kann, versuchten wir seinen Wert auf dem Umweg über die schönen Künste uns zu erarbeiten. Bei uns ist es die Fotografie, die uns als Erklärungsversuch dient.

In unserem speziellen Fall sind es die Arbeiten der amerikanischen Malerin Georgia O’Keefe mit ihren abstrakten Blumengemälden. Es ist nicht schwer, mit etwas Übung eine Blume im rechten Licht zu fotografieren. Besonders mit den modernen überfrachteten Systemkameras.

Sich aber auf die Ursprünge der Fotografie – Blende/Zeit /ISO – zu reduzieren, erfordert schon etwas mehr Fingerspitzengefühl. Wenn wir dann noch mehr in die Tiefe gehen möchten und den Intuitionen und Abstraktionen der Künstlerin zu folgen, benötigen wir diese oben genannten 3 Säulen des Zen. Mehr ist nicht zu tun, als sich im Hier und Jetzt bei sich selbst einzufinden. Ein Danke gebührt auch Ingomar und Gerlinde Hofbauer, in deren Garten wir viele Stunden fotografieren durften.

Lassen Sie sich also von den Bildern begeistern und inspirieren. Beobachten Sie in der aller Ruhe mit viel Humor im Herzen eine Blume am Wegesrand und verlieren Sie sich in ihr. Ihr Leben wird mit Sicherheit ruhiger und erfüllter.

Hermann Netz, Kursleiter

Georgia O’Keeffe (1887–1986)

Georgia O’Keeffe war eine Begründerin der amerikanischen Moderne und eine Pionierin als Künstlerin. Die Gelegenheiten, O’Keeffe in Europa zu sehen, sind rar: ihre Gemälde sind auf die wichtigsten US-Sammlungen verteilt, wo sie den Status von Ikonen einnehmen. Erstmals in Österreich gab das Kunstforum Wien 2017 in einer Retrospektive Einblick in das sieben Jahrzehnte umfassende Œuvre O’Keeffes.

Unter den ausgestellten Werken befand sich auch Jimson Weed/White Flower No. 1 (1932) als das teuerste Bild, das jemals von einer Künstlerin versteigert wurde. (Bild links unten)

O’Keeffe debütierte 1916 in dem von Männern dominierten Künstlerzirkel um den Fotografen Alfred Stieglitz, ihrem späteren Ehemann. Die Ausstellung setzte mit ihrem weniger bekannten, der „spirituellen“ Abstraktion Wassily Kandinskys nahestehenden Frühwerk ein.

O’Keeffes monumentale Blumenbilder der 1920er-Jahre, die, unter dem Einfluss der Schriften Sigmund Freuds, stark sexualisierende Interpretationen hervorriefen, zählen zu ihren populärsten Sujets. Formale Spezifika wie der scharfe Fokus, die Ausschnitthaftigkeit und das Close-up führen O’Keeffes innovative Übersetzung fotografischer Strategien in die Malerei vor Augen.

Diesen künstlerischen Dialog untermauerte die Schau in Wien mit einer Auswahl von Fotografien von Stieglitz, Ansel Adams und Paul Strand. O’Keeffes nahezu abstrakten, von der kargen, unendlichen Wüste New Mexicos inspirierten späten Landschaftsbilder, verkörpern die Erschaffung des „Great American Thing“, einer spezifisch amerikanischen Kunst, und nehmen Kunstströmungen des Abstrakten Expressionismus und des Minimalismus vorweg.

Die Ausstellung verdeutlichte O’Keeffes singuläre Position, die sie mit ihrem Brückenschlag zwischen europäischem Modernismus und amerikanischer Nachkriegsabstraktion einnahm sowie durch ihre stete Vermittlung zwischen Naturbezug und Abstraktion, zwischen Organischem und Geometrischem, Gefühl und Entpersönlichung.

Quelle: Kunstforum Wien, 2016